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Fast alle jungen Straftäter sind psychisch gestört (03.11.2009, TagesAnzeiger)

Pro Jahr werden im Kanton Zürich rund 4000 jugendliche Straftäter verurteilt. Rund 80 Prozent davon haben eine psychische Störung.

Dies zeigen Erfahrungen der Kinder- und Jugendforensik des Kantons Zürich, welche die jungen Täter begutachtet und therapiert. Häufig diagnostiziert werden Trennungsängste, Störungen des Sozialverhaltens oder posttraumatische Belastungsstörungen, hervorgerufen etwa durch sexuellen Missbrauch oder Gewalterfahrungen.

«Alleine durch Bestrafung lassen sich solche Störungen nicht beheben», sagte Cornelia Bessler, Leiterin der Fachstelle für Kinder- und Jugendforensik des Kantons Zürich am Dienstag anlässlich des fünfjährigen Jubiläums dieser Institution.

Eine allfällige Rückfallgefahr oder Gefahr für die Öffentlichkeit lasse sich nur mindern, wenn die Strafrechtspflege mit psychiatrisch- psychologischen Massnahmen kombiniert werde.

Angemessenes Sexualverhalten lernen

Seit fünf Jahren begutachtet und therapiert die Fachstelle für Kinder- und Jugendforensik straffällig gewordene Kinder und Jugendliche.

Sie fertigt psychologische Gutachten an, bringt die Jugendlichen in der richtigen Einrichtung unter und therapiert die Probleme. Sechs Knaben aus Zürich wurde hier ein laut Fachstelle «angemessenes Sexualverhalten» beigebracht. Die Jugendlichen waren beschuldigt worden, in den Fall einer mehrfachen Vergewaltigung einer damals 14- Jährigen in Zürich-Seebach involviert gewesen zu sein.

Justizdirektor Marskus Notter (SP) bezeichnete die Fachstelle am Dienstag als «Experiment», das sehr erfolgreich angelaufen sei. «Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Fachstelle kriminelle Karrieren verhindern können.»

Die Beeinflussbarkeit von Kindern und Jugendlichen sei einfach grösser als jene von Erwachsenen. «Deshalb ist es wichtig, möglichst früh einzugreifen.»

Wenn man jugendliche Straftäter nicht psychologisch behandle, züchte man lebende Zeitbomben heran, ergänzte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP). Die knallharten Massnahmen, die von der Gesellschaft gegenwärtig häufig gefordert würden, seien aber nicht ausreichend und müssten mit psychiatrischen Massnahmen ergänzt werden.

Keine «Kuscheljustiz»

Mit Kuscheljustiz habe die Kinder- und Jugendforensik des Kantons Zürich nichts zu tun, betonte Hans Ulrich Meier, der Vorsitzende der Begleitgruppe. Dies beweise das Interesse des russischen Staates an diesem Modell.

Vor zwei Wochen waren Zürcher Vertreter nach Moskau gereist und hatten das Modell vorgestellt. «Und wenn Russland sich dafür interessiert, ist es wohl kaum Kuscheljustiz», sagte er. Eine solche Schnittstelle zwischen Justiz und Psychiatrie ist bis jetzt europaweit einzigartig. Vergleichbare Fachstellen sind aber in den Kantonen Basel, Bern, Aargau und Solothurn geplant. (bru/sda)

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mona schrieb

Wenn man jugendliche Straftäter nicht psychologisch behandle, züchte man lebende Zeitbomben heran, ergänzte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP).

Okay, weshalb spricht der von züchten? oO